1. Über diese Studie 
2. Das verkannte Genie
3. Physiologie
4. Geschichte
5. Duft und Identität
6. Perspektiven des Duftdesigns
7. Raumbeduftung: Konsumrausch im parfümierten Paradies?
8. Geruchswelt Mensch
9. Beduftete Objekte

10. Interviews
11. Fazit
12. Quellen

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Impressum
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Geruchswelt Mensch
Die Nase der Nase: das Vomeronasalorgan (VNO)
Mit Vorliebe berichten die Medien, wenn es etwas zum Thema Geruch zu melden gilt, über zwischenmenschliche Beziehungen, die Liebe, den Sex. Meist im Frühling werden dann Artikel über die wahren Ursachen der Partnerwahl publiziert: Es sei der Duftreiz der Pheromone ursächlich dafür, wen sich der Mensch zum Partner wählt. In der Tat spielen Pheremone eine entscheidende Rolle, wen der Mensch leiden mag und wen nicht. Das Pheremon, ein Begriff, der von Pherain=fernübertragen und horman=erregen herrührt, ist ein Botenstoff, der aus der Ferne Menschen zu stimulieren vermag. Das Organ, welches diese Botenstoffe wahrnimmt, nennt sich Vomeronasalorgan, kurz VNO. Bekannt ist es, seit ein holländischer Militärarzt Anfang des 18. Jahrhunderts das Organ als ein »Zentimeter langes, streichholzdünnes Sinneswerkzeug« beschrieb.
Pheremone als Ursache menschlichen Verhaltens
Durch eine 0,02 mm bis 0,2 mm große Öffnung in der Nasenschleimhaut gelangen die Pheremone, die geruchlosen Botenstoffe, über einen nur wenige Millimeter langen, mit Rezeptorzellen gespickten Gang zum VNO. Dank des VNO ist ein Baby bereits am zweiten Lebenstag in der Lage, seine Mutter durch die einmalige Zusammensetzung ihrer Pheremone zu »erriechen«. Nach Meinung des Forschungsteams um Luis Monti-Bloch, Neurophysiologe an der Universität Salt Lake City, zählt das VNO zum drittwichtigsten Sinn nach Sehen und Hören, da die chemische Kommunikation eine Schlüsselrolle im Leben des Menschen spielt. Schon nach einer zehntausendstel Sekunde vermag das VNO eine Pheremon-Menge ab 30 Pikogramm zu registrieren (30 Millionstel Teile eines Milliardstel Milligramm) und meldet den wahrgenommenen Reiz unmittelbar an das Hirn (Magazin Stern, Ausgabe 18/96). Damit gilt das VNO als weitaus sensibler als die Nase.
Wirkungsweise der Pheromone
Es existieren viele Arten von Pheromonen, die Mehrzahl ist bislang unerforscht. Pheromonstoffe eignen sich nicht zum unbedachten Einsatz allerorts, denn ihre Wirkung lässt sich aufgrund mangelnden Wissens nicht voraussagen. Pheromone können anziehend oder abstossend wirken. Was der Mensch als Instinkt bezeichnet, welcher die Ablehnung oder die Akzeptanz bestimmt, ist mitunter nichts weiter als das VNO, das die Immun-Gene des Gegenüber danach analysiert, ob diese zu den eigenen ähnlich oder komplementär sind. Evolutionsbedingt ist ein Gegensatz reizvoller, da durch eine Mischung unterschiedlicher Gene die Überlebensfähigkeit (Stabilität des Gewebes) des Nachwuchses verbessert und Inzest vermieden wird.
Einsatzmöglichkeiten von Pheremonen
Pheromone vermögen den Menschen nicht in einen «liebestollen« Zustand zu versetzen. Sie steigern das allgemeine Wohlempfinden.
Der Chemiker Clive Jennings-White von der University of Utah in Salt Lake City bildet, soweit möglich, Pheromone im Labor nach, denn er glaubt an ihre heilende und sexuell stimulierende Wirkung. »Das Potential ist gigantisch! Deshalb lassen wir wie verrückt patentieren!« erklärt er euphorisch. Möglichkeiten der Anwendung wären: Appetitzügler, Verhütungsmittel, Angstlöser, Krebsheilung. Heilung durch das Riechen von Pheromonen? Zugegebenermassen wäre der Markt gigantisch für Pheremonprodukte wenn sich die Erkenntnisse von Clive Jennings-White als fundiert erweisen sollten.
Pheromon-Parfüme
Parfüme mit Pheremonen sind im Handel bereits erhältlich. Das amerikanische Unternehmen Erox und die Pherin Corporation, deren Vice President of Chemical Research Jennings-White ist, bieten »Natural Attraction« (ehemals geführt unter dem Namen »REALM«) auf dem Markt an. Es enthält ein von Jennings-White und David Berliner entwickeltes synthetisches, »menschliches« Pheromon. »Natural Attraction« (für Männer und Frauen) unterscheide sich nach ihren Angaben wesentlich von übrigen Düften des Marktes. Diese nähmen laut Deklaration das Pheremon Androstenon, ein Pheromon des Ebers wohlgemerkt - laut Erox Corp. beim Menschen nicht wirksam. »Only a pig will be stimulated by a product containing androst-16!« konnte vor nicht allzu langer Zeit der Besucher der Erox Website entnehmen. »The other fragrances that claim to have pheromones use animal pheromones - such as pig, deer, or cat pheromones ("musk") - that have no effect on humans.« (Natural Attraction Website)
Aus der Eigenwerbung von Natural Attraction: »If we've got our own pheromones, why do we need the pheromones in Natural Attraction? Because of our cultural habits. What do we do first thing in the morning? Take a shower, What does that do? It washes off our pheromones! Consequently, we're pheromenally deprived. (Furthermore, we tend to dress from head to toe, thereby covering 90% of the very skin that releases pheromones into the air.) When we put on Natural Attraction, we're actually replacing pheromones we've washed off. By supplementing our lost pheromones with Natural Attraction, we're really "getting back to nature," and re-establishing chemical communication with those close to us.«
Die Pille ändert den »Eigenduft«
Der Hormonhaushalt der Frau und damit die pheremonale Zusammensetzung im Eigengeruch ändert sich durch die Pille. Lernt die Frau einen Partner kennen und möchte Kinder bekommen, setzt sie die Pille ab - woraufhin ihr Eigenduft sich abermals ändert. Nicht selten trennen sich Paare, trotz gemeinsamer Familienplanung, genau in diesem Moment. Denn erkannte das VNO des Mannes in dem Eigengeruch der Frau zunächst noch günstige Voraussetzungen, nun, ohne die Pille, kann die Sache völlig anders liegen. Das Partnerwahl und Warnsystem Nase/VNO kann durch die erhöhte Freisetzung von (künstlichen) Pheromonen getäuscht werden. So haben bereits vor »Natural Attraction« Millionen Frauen ein Pheremon-»Parfüm« benützt: die Pille.
»Die unterschwellige Wirksamkeit derartiger Duftstoffe führt zwar nicht zu konkretem Verhalten, jedoch wird der erotische Antrieb verstärkt, die Einstellung zum parfümierten Objekt begünstigt.« Henkel Fragrances Center
Attraktivität per Knopfdruck?
Erox Corporation räumte auf seiner Website ein, daß Pheromone nicht aphrodisierend wirken, sondern ein Gefühl der Attraktivität, Entspannung, Sicherheit, Zufriedenheit und Wohlempfinden im Menschen wecken. Jedes Individuum hätte seine eigene Empfänglichkeit für derartige Botenstoffe, daher könne der ein oder andere mit »REALM« zunächst keine Wirkung bemerken, aber »soon you may perceive something positively different about yourself« hiess es im Internet.
Des weiteren wurde erläutert, daß Pheromone als Fixative verwendet werden. Parfüm und Pheromon »have similar molecular volatility« erklärte Erox Corporation, weshalb die Wirkung der Pheremone so lange aktiv sein würden wie das Dufterlebnis von »REALM« errochen werden kann.
Verführung so lange der Vorrat reicht
Eine erschreckende Vorstellung, daß in naher Zukunft nicht der eigene Körper das Wohlbefinden steuert, sondern ein aufgesprühtes Parfüm. Die tägliche Anwendung eines solchen Parfüms kann den Verbraucher zumindest psychiologisch »süchtig« machen, denn dieser wird jede Anerkennung und positive Ausstrahlung ausschliesslich auf die Wirkung des Parfüms zurückführen. Das Parfüm soll die Kommunikation zwischen zwei Individuen beeinflussen, indem es den Partner positiv »verführt«. Die Verführung funktioniert so lange das Parfüm das VNO täuscht. Damit entsteht eine Abhängigkeit zur Selbstbeduftung mit dem Parfüm, möchte man den Partner halten. Die Geruchlosigkeit der Pheremone macht sie gefährlich: der Partner weiss nicht, dass er von Pheremonen ausgetrickst wird. Sobald das Parfüm abgesetzt wird, kann gleicher Effekt wie bei der Pille folgen.
Kann man Pheremone bewusst wahrnehmen?
Auch die Zeitung »Die Zeit« beschäftigte sich mit Duft und Pheromonen (Nr. 44 vom 23. Okt. 1987). In einem Artikel wird eine Untersuchung der »National Geographic« vom September 1986 erwähnt. Die »Nationale Geographic« publizierte sechs, durch Rubbeln freisetzbare Duftproben und bat ihre Leser um Antwort auf die Frage, ob sie etwas riechen würden. Die Resonanz war überwältigend: anderthalb Millionen Antworten. Das Ergebnis wurde im Oktober 1987 veröffentlicht: »Androstenon können nur 70,5 Prozent der Frauen und 62,8 Prozent der Männer wahrnehmen. Richtig identifiziert wurde es sogar nur von 25 Prozent (männlich und weiblich).«
Olfaktorische Kommunikation
Gerüche sind wichtig, sie ermöglichen den Austausch von Informationen. Ein Schmetterling kann über große Distanz der Pheremonspur seines Partners folgen. Wie nah Menschen aneinander rücken müssen, damit die Pheromone ihr Werk verrichten können, ist ein umstrittenes Thema in der Wissenschaft. Einerseits ist das VNO fähig, kleinste Mengen an Pheremonen wahrzunehmen, andererseits meinen Wissenschaftler herausgefunden zu haben, daß zur Wahrnehmung eine Distanz von mindestens 3 cm zum Objekt der Begierde Voraussetzung ist.
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Tutorial über Olfaktorik [e] von Prof. Tim Jacob von der School of Biosciences,
University of Cardiff, sowie seine Site über »Smell
Reseach Laboratory«, inkl. Artikel über Pheremone [e]
Fiora [e]: Zeitungs-Artikel über Pheremone
About.com: »Jacobson's Organ and the Sixth Sense, Human Extrasensory Perception? [e]«
Andere About-Artikel [e]:
»Making
Scents - The Science of Love«
»Triggers of Innate Behavior«
Pherin Pharmaceutics

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